Was ist der Rough Stock Indicator?

Der Rough Stock Indicator (kurz RSI) ist die Verfügbarkeitsanzeige eines Artikel in einem Onlineshop. Es gibt ihn in mehreren Formen:

  • Ampel (Rot = nicht verfügbar, Gelb = wenige verfügbar, Grün = voll verfügbar)
  • Als numerische Anzeige der genauen Bestandsverfügbarkeit
  • Als ungefähre Beschreibung („Auf Lager“, „sofort Lieferbar“, „verfügbar“, …)

Wenn Produkte nicht lieferbar sind obwohl dort als lieferbar ausgegeben, werden Online-Kunden schnell (und zu Recht) verärgert. Wer also online gute Umsätze machen will, muss hier einen guten Service bieten.

 

Berechnung des RSI in SAP CAR

Die Berechnung des RSI klingt auf den ersten Block simpel, ist es aber nicht. Es gibt zwei Schritte:

Schritt 1: Berechnung des tatsächlichen Artikelbestands

Die Gleichung funktioniert folgendermaßen:

  • Bestand eines Artikels in einer Niederlassung zu Anfang des Tages (liegt im System vor)
  • Minus die im Laufe des Tages erfolgten Abverkäufe (der große Echtzeitvorteil von SAP CAR!)
  • Minus reservierte Bestände, die bereits von Kunden vor-reserviert wurden (Stichwort: Click & Collect)
  • Minus Bestände, die gerade im Kassenprozess des Onlineshops liegen (Das OAA Modul kann das leisten, wenn diese Info vom E-Commerce System kommt)
  • Minus Musterbestände (nicht verkäufliche Musterartikel)
  • Plus ggf. untertägig eintreffende Lieferungen (hier sollte allerdings genau und verlässlich klar sein, wann die Ware eintrifft)

Nun hat man eine der Realität sehr nahe kommende Bestandsinformation.

 

Schritt 2: Interpretation der Zahl

Ein einheitliches Interpretationsschema funktioniert nicht, denn z.B. eine Anzahl von 2 ist bei einem sich mit hoher Frequenz verkaufenden Artikel (Schnelldreher) eine schlechte Verfügbarkeit, jedoch bei einem sich mit niedriger Frequenz verkaufenden Artikel eine hohe Verfügbarkeit!

Von daher muss die Zahl noch interpretiert werden. Dazu kann man eine oder mehrere Kriterien heranziehen:

  • Warengruppe (wird in der Regel verwendet)
  • Artikelhierarchie
  • Relation zur üblichen Verkaufsfrequenz pro Filiale
  • Künstlicher Verknappungsfaktor um den Kaufanreiz zu erhöhen

Die Interpretation kann auf dem SAP CAR oder auf dem E-Commerce System erfolgen.

 

Übertragung des RSI an das E-Commerce System

Hier gibt es zwei Wege:

PULL: über einen Webservice zieht sich das E-Commerce System den jeweiligen Bestand. Dies wird gerne kurz vor dem Kassenprozess verwendet, um die Verfügbarkeit nochmals hochaktuell zu erhalten.

PUSH: das SAP CAR sendet gepackt viele Bestandsdaten in einem festen Turnus (als Job eingeplant) an das E-Commerce System. Dieser Weg wird ebenfalls genutzt, um die Masse an Daten an das E-Commerce System zu senden, da Einzelabfragen in großer Zahl zu viel Performance und Wartezeit benötigen.

 

Umsetzung dieses Szenarios in SAP CAR

Hier gibt es generell zwei Wege. Wir haben im Rahmen von Kundenprojekten beide bereits erfolgreich umgesetzt:

Variante A: Eigenerstellte CDS Views

Die Daten zur Berechnung des RSI liegen im Prinzip alle am SAP CAR vor. Die Abverkäufe sind in der /POSDW/TLOGF und der /POSDW/TLOGUS, Bestände vom Vortag werden über die MARC repliziert, reservierte- und Musterbestände müssen von außen eingespielt werden.

Aus diesen Daten kann man über einige, wenige CDS Views die dementsprechenden Daten ermitteln. CDS Views lassen sich schnell erstellen und sind in der Regel auch sehr performant. Aus CDS Views können automatisch Webservices erstellt werden. Somit wäre die Übertragung via PULL auch schon mit erledigt, PUSH müsste separat umgesetzt werden.

Die Vorteile finden sich hier in der schnellen und mit wenig Aufwand verbundenen Erstellung und dem gut überschaubaren Prozess. Nachteilig muss erwähnt werden, dass dies aber kein SAP Standard ist.

 

Variante B: Einsatz des OAA Moduls

SAP CAR bringt mit dem OAA Modul sehr viel Funktionalität bereits mit um Bestände und auch RSI’s zu ermitteln und das nicht nur von Filialen, sondern auch von Verteilzentren und Lieferanten. Innerhalb des OAA Moduls gibt es Funktionalitäten zur Ermittlung und Interpretation von RSI’s. Für PULL gibt es einen fertigen Webservice (der auch CDS Views nutzt), zum PULL gibt es das IDoc OAA_RSI_MSGTYPE (wer es genau wissen will kann hier weiter lesen)

Diese Variante folgt nun dem SAP Standard und bietet sehr viel Funktionalität. Auf der anderen Seite ist sie deutlich aufwendiger und besitzt komplexe Prozessabläufe.

 

Weitere Informationen

Wer mehr über unsere Angebote erfahren möchte, kann uns auf unserer Homepage ososoft.de besuchen oder uns für eine individuelle Beratung kontaktieren.